Gewichtheben

 

Gewichtheben - Die Königsklasse des Kraftsports

Gewichtheben ist für mich eine der schönsten, gesündesten und anspruchsvollsten Sportarten der Welt und weit mehr als ein zur Schau stellen von Muskelkraft. Wie hoch der Anspruch der Sportart an den Athleten ist und was das Besondere am Gewichtheben ist, möchte ich hier gerne einmal aus meiner Sicht beschreiben.

 

Gewichtheben erfordert ein hohes Mass an Kraft, Beweglichkeit, Körpergefühl, Körperkontrolle

und Intelligenz - und das alles auf hohem Niveau.

 

Wer einen ersten Eindruck von der Komplexität des Gewichthebens erhalten möchte, der nimmt sich doch einfach mal einen Besenstiel, hebt ihn mit weit auseinander gehaltenen, gestreckten Armen über den Kopf und geht in die tiefe Hocke ohne die Fersen vom Boden zu heben und ohne den Rücken krumm zu machen – und das ist nur eine statische Haltung!

 

Kraft, Beweglichkeit, Körpergefühl und Körperkontrolle – alles klar, das kann wohl jeder nachvollziehen, aber Intelligenz??? Kraftsportler haben doch den Ruf nicht die Schlauesten zu sein!!! Nun, Intelligenz als Wort ist ein Sammelbegriff für die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen. Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen u.a. die Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit, die Erinnerung, das Lernen, die Orientierung, die Imagination, der Wille und einige mehr. Dies alles wird von einem Athleten, der im Gewichtheben seine persönliche Leistungsgrenze erreichen will, in besonderem Masse zur Erlernung der richtigen Technik und dem Erreichen der Top-Leistung im Wettkampf abverlangt.

 

Die Maximalkraft ist im Gegensatz zu einer ausgereiften Technik einfach zu trainieren und zu erreichen. Eine ausgereifte Technik zu erreichen ist die große Herausforderung, der sich jeder Athlet stellen muss. Dies ist eine Aufgabe, die ihm über sein gesamtes Heberdasein erhalten bleibt, da jede Steigerung der Maximalkraft eine erneute Anpassung der Technik erfordert.

 

Um also Gewichtheben im oberen Leistungsniveau betreiben zu können, sind ein perfektes Zusammenspiel von drei Hauptfaktoren nötig:

 

1. Kopf = Intelligenz / Verstand

2. Körper = Muskulatur / Kraft

3. Technik = Optimaler Bewegungsablauf / Körpergefühl bzw. Körperkontrolle

 

Wie die einzelnen Komponenten zu bewerten sind und wie sie zusammen arbeiten, möchte ich an folgendem Beispiel einmal stark vereinfacht beschreiben:

 

Jeder, der sich ein wenig mit Computern aus kennt weiss, dass ein leistungsstarker Rechner aus optimal aufeinander abgestimmten Bauteilen, dem Betriebssystem und der Software besteht. Um beispielsweise die aktuellsten HD-Computerspiele spielen zu können, muss ein Computer schnelle Prozessoren, einen großen Arbeitsspeicher, eine hochauflösende Videokarte und einen High-Speed Internetanschluss haben. Dafür gibt es heute speziell ausgestattete Gaming-Computer und Glasfaserkabel.

 

Auf das Gewichtheben übertragen entspricht ein durchschnittlich ausgestatteter Computer einem Heber auf Landesliganiveau. Der Gaming - Computer steht für den Leistungssportler. Die einzelnen Bauteile eines Computers entsprechen unserem Körper mit seiner Muskulatur. Das Betriebssystem entspricht unserer Intelligenz.

 

Durch Maximalkrafttraining ist der Leistungssportler in der Lage, seine „Hardware“ entsprechend aufzurüsten und mit einem leistungsfähigen Betriebssystem (Intelligenz) kann die anspruchsvolle Gewichtheber-Software (Technik-Training) ausgeführt werden. Soweit so gut, doch das Entscheidende fehlt noch. Auf einer alten Analog-Leitung kann heute niemand mehr surfen – geschweige denn HD-Spiele spielen. Dazu braucht man eine High-Speed Internetleitung. Und genau das ist auch entscheidend im Gewichtheben. Man nennt das die

 

intermuskuläre und intramuskuläre Koordination.

 

Das ist sozusagen die Internetleitung zwischen den einzelnen Muskelfasern und zwischenden Muskeln und wir haben die Aufgabe durch unser Training aus langsamen Analog-Leitungen mit wenig Schnittstellen eine High- Speed-Leitung mit weitreichender Vernetzung zu erstellen. Je schneller und vernetzter die Leitung, desto präziser die Muskelarbeit und damit auch der technische Ablauf beim Reissen und Stoßen. Und ohne diese schnellen und vernetzten Datenleitungen in unserem Körper ist kein technisch sauberer Versuch möglich – schon gar nicht im Grenzbereich.

 

Ich will das ganze mal etwas in Zahlen ausdrücken, damit man ein besseres Bild davon bekommt, welche Leistungen einem Heber abverlangt werden: Lu Xiaojun (China) Olympiasieger in Rio 2016 ist einer der technisch besten Reisser, die ich je gesehen habe. Er hebt in der Klasse -77kg und hält dort mit 177kg den Weltrekord im Reissen.

 

Ein Versuch von ihm in Zahlen:

 

Eine Hantel mit 175kg wird von ihm auf einer Strecke von 64cm auf eine maximale Geschwindigkeitvon 1,62 m/s beschleunigt und fliegt dann noch 31cm weiter, bevor sie wieder nach unten fällt. Diese Strecke und die Zeit, die die Hantel da unterwegs ist, nutzt er um seinen Körper unter die Hantel zu bringen. Der Weg, den die Hantel dabei nach unten zurücklegt, bevor sie auf seinen ausgestreckten Armen landet und von ihm fixiert wird, beträgt lediglich 14cm. Kein Spielraum für Fehler und nur Sekundenbruchteile, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden!!!

 

Sein Kollege Liao Hui (China) in der Klasse -69kg erreichte bei seinem Weltrekord mit 166kg auf der Hantel sogar eine Beschleunigung von 1,95 m/s!

 

Noch ein Vergleich:

 

Usain Bolt, Superstar der Leichtathletikszene und Weltrekordler über die 100m Sprint, benötigt für die 100m Sprintstrecke 9,58s. Das bedeutet, er legt in einer Sekunde 10,44 Meter zurück. Verglichen damit erscheint Lu Xiaojun mit seinen 1,62 Metern pro Sekunde langsam, jedoch bewegt Usain Bolt lediglich sein eigenes Körpergewicht von ca. 95 kg, während Lu Xiaojun seinen eigenen Körper mit knapp 77 kg und die Hantel mit 175 kg bewegen muss - und dass auf nur 64cm Strecke!!!

 

Insgesamt vergehen im Allgemeinen vom Anheben der Hantel bis zu dem Moment, wo der Heber das Gewicht in der Hocke fixiert hat, lediglich ca. 1,3 Sekunden!

 

 

Nun ist es heute jedoch so, dass auf Grund unserer Lebensumstände sich unsere Hardware(Körper) in der Regel auf dem Leistungsniveau eines Amiga 500 statt einem aktuellen Einsteiger-PC bewegt und es schon einiger Anstrengung bedarf überhaupt das Niveau eines durchschnittlich ausgestatteten PC`s (Landesligaheber) zu erreichen. Damit es für den Gaming - Computer (Leistungssportler) reicht, bedarf es noch weit mehr an Einsatz - und Fachwissen.

 

Das niedrige Ausgangs - Niveau der heutigen Zeit ist ein großes Problem, das für die Untrainierten zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führt und auch die Vorstellung, welche Lasten ohne Doping zu bewegen sind, deutlich nach unten bewegt hat.

 

Früher haben Männer in jeder Hand einen Bierkasten mit 24 Flaschen in den Keller tragen können. Heute greift Mann lieber zum Six - Pack im leichten Karton - das ist schon anstrengend genug. Wie sich die Zeiten ändern...

 

 

Ein Wort zum Thema Doping

 

Wer glaubt, ein bisschen Dope einwerfen und dann klappt das schon mit dem Weltmeistertitel, hat wohl noch nie in seinem Leben eine Hantel in der Hand gehabt.

 

Hierzu hat Rolf Milser (Olympiasieger 1984 und ehemaliger Bundestrainer) einmal folgendes gesagt:

 

„Anabolika wirken nur im Zusammenhang mit hartem Training. Das ist so: Man trainiert morgens bis an die Leistungsgrenze. Die Mittel lassen einen dann so schnell regenerieren, dass man am Nachmittag nochmal volle Pulle gehen kann. Und das bringt es dann – bei uns Gewichthebern sieben bis zehn Kilogramm Leistung. Das macht dann den Unterschied zwischen Platz vier und der Goldmedaille aus.“

 

Mit anderen Worten: Beeinflussen lässt sich durch Doping lediglich die Maximalkraft nicht jedoch die Technik und auch nicht die Intelligenz. Ohne Technik und Intelligenz kann es aber keine Spitzenleistungen im Gewichtheben geben!!!

Silke Diener

Krafttrainerin

Olympic Weightlifting Coach

Ebratshofen 23

88167 Grünenbach

 

 

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